Auszug aus der Chronik von 1902

Verein für Gartenbau, Imkerei und Landespflege Bobingen e.V.

Unser Verein geht zurück auf das Jahr 1886 und ist nun schon stolze 131 Jahre alt

Über die Anfangsjahre des Vereins gibt es keine schriftlichen Aufzeichungen. Erst im Jahre 1902 begann der damalige Schriftführer Max Schnitzlein aus seiner Erinnerung und nach den Überlieferungen seiner Zeitgenossen eine Chronik zu erstellen.

 

Hier der Beginn der Chronik aus dem Jahr 1902:

 

 

 

 

 

Ungefähr im Jahre 1883 taten sich hier in Bobingen mehrere Bienenzüchter zu einer zwanglosen Vereinigung unter der Vorstandschaft des ehemaligen Apothekers Herrn Wilhelm Neumann zusammen.

Zweck dieser Vereinigung war gegenseitiger Austausch der gemachten Erfahrungen und Belehrung auf dem Gebiet der Bienenzucht sowie korporatives Auftreten in der Öffentlichkeit.

Im Jahre 1884 beschickte dieselbe die Ausstellung in Augsburg und erhielt für ihre Leistungen ein Ehrendiplom.

Weitere Vorstände der Reihe nach waren die Herren

Seb. Oberdorfer, Bürgermeister

Seraph. Kiederle, Lehrer

Letzterer legte die Vorstandschaft im Oktober 1901 nieder.

Nachdem die Organisation eines Landes-Obstbau-Bienenzuchtvereins durchgeführt war, schloss sich der hiesige Verein diesem an und führte fortan den Namen

Obstbau- und Bienenzucht- Verein Bobingen.

Die Hauptbeschäftigung seither war immer die Bienenwirtschaft, bis im Herbst 1901 angeregt durch die bayer. Landes- und Obst- und Bienen- Ausstellung, der Verein sich durch Beschickung derselben mit ausschließlichen Erzeugnissen des Obstbaues selbst wunderte, wie viel er zu leisten im Stande ist und wäre, wenn auch für diesen Teil der Vereinstätigkeit Aufwendungen gemach würden. Leider kam die Anregung erst kurz vor Eröffnung der Ausstellung, so dass der Termin der Anmeldung versäumt wurde und der Verein mit seinen Produkten zur Preiskonkurrenz nicht zugelassen wurde.

Eine ausserordentliche Generalversammlung im Oktober 1901 wählte als neuen Vorstand Hr. Josef Hartmann, Werkführer.

Unter dessen Vorstandschef entfaltete sich nun ein reger Eifer sowohl in dem Verein selbst als auch unter den Gemeindemitgliedern für rationellere Pflege des Obstbaues. Besonders aber förderte ein in den Tagen vom 13. mit 15. Februar 1902 durch Herrn Wanderlehrer Wein aus Pferde abgehaltener Obstbaukurs das Interesse derart, dass sich der Verein in der Generalversammlung am 23. Februar 1902 neuorganisierte und viele neue Mitglieder aufnehmen durfte.

Es wurde ein Ausschuss gewählt, dem folgende Herren angehören:

Josef Hartmann, Vorstand, Rud. Kugelmann, Kassierer, A.l Geirhos,Bürgermeister, Jos. Glocker, Math. Schenk

Auch die gegenwärtige Gemeindeverwaltung bekundete ihr Wohlwollen gegenüber den Bestrebungen des Vereins, in dem sie mit gutem Beispiel vorangehend 40 Obstbäume zur Pflanzung an dem Verbindungswege nach Bannacker bestellte und dem Verein den Schulgarten sowie den Garten beim Armenhaus zur freien Benützung überliess. Für diese Bereitwilligkeit den Verein zu unterstützen sei auch dieser Stelle bestens Dekanat.

Schliesslich möge hier noch der Wunsch ausgedrückt werden, dass über der kräftig einsetzenden Bewegung für den Obstbau nicht die Liebe zu den fleissigen Bierlein zu Grunde gehe. Möge der Verein immer eingedenk sein, dass er aus einem reinen Bienenzüchter-Verein hervorgegangen ist und sich Bienen und Obstbäume in der Natur gegenseitig herrlich ergänzen.

 

Der Verein Lebe, Blühe und Gedeihe und freue sich in späteren Jahren seiner Früchte und Erfolge. Das walte Gott.

Bobingen im Hornung 1902, Josef Hartmann, Vorstand.